Die Schule der Zukunft hat vielleicht noch ein Gebäude – aber sie ist nicht mehr an dieses Gebäude gebunden. Künstliche Intelligenz löst Lernen von Ort und Zeit. Sie macht aus der Schule einen Lernknoten in einem globalen Netzwerk, in dem physische und digitale Räume fließend ineinandergreifen. Unterricht findet nicht mehr nur im Klassenzimmer statt, sondern in virtuellen Umgebungen, Laboren, Werkstätten, Communities – und im Leben selbst.
Schon heute entstehen erste hybride Lernräume, in denen Schülerinnen in Echtzeit mit KI-Systemen, Expertinnen und Lernpartner*innen weltweit interagieren können. Virtuelle Realität (VR) und erweiterte Realität (AR) machen komplexe Phänomene erfahrbar: Chemische Reaktionen werden greifbar, historische Ereignisse begehbar, mathematische Strukturen begehbar wie Architektur. Die Grenze zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissen und Erfahrung, verschwimmt.
Doch die größere Revolution findet im Systemischen statt. Wenn KI Lernfortschritt individuell begleitet, braucht Schule andere Strukturen. Der Stundenplan – ein Relikt industrieller Taktung – verliert an Bedeutung. Lernzeiten werden flexibler, Projekte themenübergreifend, und Jahrgangsgrenzen beginnen sich aufzulösen. Lernende arbeiten an realen Problemen, oft in Teams, unterstützt durch KI-Assistenten, die Recherche, Planung und Dokumentation übernehmen.
Lehrkräfte werden zu Kurator*innen dieser Lernräume: Sie verbinden Menschen, Technologien und Themen zu sinnvollen Lernlandschaften. Schulen wiederum öffnen sich nach außen – sie kooperieren mit Universitäten, Unternehmen, Kommunen, Kulturinstitutionen. Bildung wird zur öffentlichen Infrastruktur, vergleichbar mit Energie oder Mobilität – überall verfügbar, aber mit lokalem Charakter.
Damit diese Vision Realität wird, braucht es nicht nur Technik, sondern neue Formen von Organisation und Vertrauen. Lernende müssen Verantwortung übernehmen dürfen, Lehrkräfte Gestaltungsspielraum erhalten, und die Gesellschaft muss Schule als lebendiges System begreifen, nicht als Verwaltungseinheit. KI kann den Wandel ermöglichen – aber die Kultur des Lernens wird ihn tragen.
Die Schule der Zukunft ist kein Gebäude mehr, das man betritt, sondern ein Raum, der sich öffnet, sobald man fragt, forscht, teilt und denkt.
Weiterführende Lektüre
- Bautista, G. et al. (2025): Smart learning spaces considering the integration of techn(ologies)
→ Springer, Artikel über smarte Klassenzimmer und deren Verbindung zu innovativen Lehr- und Lernmethoden.
Zitat: „This article proposes examining the diversity of perspectives on smart classrooms and their relationship with innovative teaching and learning methodologies.“
Dieser Beitrag unterstreicht, dass Lernräume nicht nur technologisch ausgestattet, sondern pädagogisch durchdacht sein müssen – die Architektur und der Raum beeinflussen, wie Lernen stattfinden kann. - “Opportunities, challenges and school strategies for integrating GenAI in education” (Ng et al., 2025)
→ Qualitative Studie über Chancen, Hürden und Strategien bei GenAI-Einführung in Schulen.**
Zitat: „… investigates the opportunities and challenges associated with integrating GenAI in education, and the strategies that encourage teachers …“
Diese Untersuchung bietet dir eine empirische Grundlage, wie Schulen organisatorisch vorgehen müssen, um KI in Lernräume wirkungsvoll einzubinden. - Seo, K. et al. (2021): The impact of artificial intelligence on learner–instructor interaction
→ Open Access in International Journal of Educational Technology in Higher Education
Zitat: „AI systems offer effective support for online learning and teaching, including personalizing learning for students, automating instructors’ routine tasks … However … the impact of AI systems on the culture of, norms in, and expectations about interactions between students and instructors are still elusive.“
Dieser Hinweis ist zentral: Lernräume werden nicht nur physisch oder digital gestaltet – sie verändern auch, wie Menschen sich begegnen, wie Nähe und Distanz erlebt werden und welche Normen zwischen Lehrenden und Lernenden neu ausgehandelt werden müssen. - Holstein, K. & Aleven, V. (2021): Designing for human-AI complementarity in K-12 education
→ Preprint / Open Access (arXiv)
Zitat: „Results from a field study … indicate that students learn more when teachers and AI tutors work together during class.“
Holstein und Aleven zeigen ein praxisnahes Beispiel, wie Lernräume hybrid gedacht werden können: Lehrkraft und KI arbeiten komplementär, nicht gegeneinander – das ist ein zentrales Modell für zukünftige Schulorganisation. - Zagami, J. et al. (2025): Virtual maker spaces: Enhancing student engagement with VR and AI tools
→ Sciencedirect (teilweise Open Access)
Zitat: Untersuchung befasst sich damit, wie VR-Plattformen und KI-Tools Grundschulunterricht bereichern können.
Dieser Beitrag illustriert, wie hybride, immersive Räume aussehen können (Maker-Spaces, VR-Umgebungen) und wie sie Schüler*innen motivieren. - Fletcher, L. et al. (2025): Innovating Personalized Learning in Virtual Education
→ MDPI, Open Access
Zitat: „This study explores the role of AI in advancing virtual education, with particular emphasis on supporting differentiated learning.“
Auch wenn dieser Artikel stärker auf virtuelle Räume fokussiert ist, zeigt er doch, wie digital organisierte Lernräume mit Personalisierung vernetzt sind – ein Baustein für hybride Schulmodelle. - Engaging Teachers to Co-Design Integrated AI Curriculum for K-12 Classrooms (Van Brummelen, Lin, 2020)
→ Open Access über arXiv
Zitat: „Teachers and researchers co-created lesson plans where AI concepts were embedded … K-12 teachers need additional scaffolding … and value supports for learner engagement, collaboration, and reflection.“
Diese Forschung zeigt, wie Lernräume und curriculare Strukturen eng verzahnt sind – und dass Lehrkräfte aktiv in Gestaltung einbezogen werden müssen, um innovative Lernräume zu realisieren. - Jose, B. (2025): Epistemic authority and generative AI in learning spaces
→ Open Access in Frontiers in Education
Zitat: „Generative AI’s emergence in learning environments has triggered a potent transformation in how we produce, consume, and verify knowledge.“
Dieses Zitat macht bewusst, dass Räume des Lernens nicht nur Orte der Wissensvermittlung sind, sondern Räume des Wissenmachens – mit Herausforderungen, wie Autorität, Validierung und kollaborativer Produktion.

