Kapitel 07 · Grundkurs Texterschließung

Sprachliche Auffälligkeiten erkennen

Du lernst, wie du Wortwahl, Satzbau und Stilmittel gezielt unterscheidest. Das ist die Grundlage für Aufgabe 2 der Texterschließung.

⏱️ ca. 25 Minuten 🔍 Sprachlupe 🧩 Wortwahl · Satzbau · Stilmittel

Überblick

Sprache untersuchen heißt: genau hinschauen

Bei der Sprachuntersuchung genügt es nicht, ein Stilmittel zu nennen. Zuerst musst du erkennen, welche sprachliche Auffälligkeit vorliegt und wo sie im Text steht.

Infografik: Sprachlupe mit Wortwahl, Satzbau und Stilmitteln

Kurzinput

Welche sprachlichen Bereiche gibt es?

In Prüfungsaufgaben wird häufig nach sprachlichen Auffälligkeiten und ihrer Wirkung gefragt. Dafür solltest du nicht wahllos Begriffe sammeln, sondern die Sprache systematisch untersuchen. Besonders wichtig sind drei Bereiche: die Wortwahl, der Satzbau und Stilmittel. Erst wenn du die Auffälligkeit sicher erkannt hast, kannst du im nächsten Schritt ihre Wirkung erklären.

Merke: Für eine gute Sprachuntersuchung brauchst du immer drei Dinge: Fachbegriff, Textbeleg und Erklärung. In diesem Kapitel trainierst du zuerst den Fachbegriff und den passenden Bereich.

Systematik

Drei Hauptbereiche der Sprachuntersuchung

1Wortwahl

Dazu gehören z. B. Fachbegriffe, Fremdwörter, wertende Wörter, Verben, Adjektive, Umgangssprache oder bildhafte Ausdrücke.

2Satzbau

Dazu gehören z. B. kurze Sätze, lange Satzgefüge, Ellipsen, Aufzählungen, Wiederholungen am Satzanfang oder Fragen.

3Stilmittel

Dazu gehören z. B. Metapher, Vergleich, Personifikation, Alliteration, Klimax, Anapher oder rhetorische Frage.

Beispiele

Nicht jedes auffällige Wort ist automatisch ein Stilmittel

Ungenau

Das Wort katastrophal ist ein Stilmittel.

Problem: Das ist zu ungenau. Hier geht es eher um eine stark wertende Wortwahl.

Genauer

Das Adjektiv katastrophal gehört zur wertenden Wortwahl und verstärkt die negative Bewertung der Situation.

Stärke: Der sprachliche Bereich wird präziser benannt.

Mini-Infografik

Beobachten – benennen – belegen

Die Reihenfolge ist entscheidend: Zuerst fällt dir eine Stelle auf. Dann benennst du sie mit einem Fachbegriff. Danach belegst du sie am Text.

Mini-Infografik: Wortwahl, Satzbau und Stilmittel unterscheiden

Interaktion 1

Welche sprachliche Beobachtung ist am genauesten?

Wähle die präziseste Beschreibung der markierten Stelle.

Mini-Textstelle

Die Stadt erwacht, Busse rauschen vorbei, Türen klappen, Stimmen drängen durch die Straßen.

Interaktion 2

Ordne den sprachlichen Bereich zu

Entscheide, ob die Beobachtung vor allem zur Wortwahl, zum Satzbau oder zu den Stilmitteln gehört.

Fachbegriffe wie „Algorithmus“, „Emissionen“ oder „Solarpanel“
Mehrere kurze Hauptsätze hintereinander
„Die Sonne kämpft sich durch die Wolken.“
wertende Adjektive wie „rücksichtslos“, „bedenklich“ oder „hilfreich“
eine rhetorische Frage am Ende eines Absatzes

Mini-Transfer

Finde drei sprachliche Auffälligkeiten

Lies die kurze Textstelle und notiere drei Beobachtungen. Es genügt hier, die Auffälligkeit und den Bereich zu nennen. Die Wirkung trainierst du im nächsten Kapitel.

Ausgangstext

Schon am frühen Morgen flutet grelles Licht den Bahnsteig. Menschen hasten vorbei, Koffer rollen, Lautsprecher knacken. „Noch fünf Minuten“, murmelt Lara und starrt auf die Anzeigetafel. Der Zug? Verspätet. Wieder einmal.

Selbstcheck

Prüfe deine Sprachbeobachtung

  • Ich unterscheide Wortwahl, Satzbau und Stilmittel.
  • Ich nenne konkrete Textstellen und bleibe nicht bei allgemeinen Aussagen.
  • Ich verwende passende Fachbegriffe, wenn ich sie sicher kenne.
  • Ich behaupte nicht vorschnell, dass jede Auffälligkeit ein Stilmittel ist.
  • Ich bereite damit die Erklärung der Wirkung vor.
Ausblick: Im nächsten Kapitel lernst du, wie du aus einer sprachlichen Beobachtung eine konkrete Wirkung formulierst.